Reserven fürs Gehirn

Fotocredit: Verena Dzialas

Fürs Alter vorsorgen – das lohnt sich auch bei der Hirnleistung, sagt Neurowissenschaftlerin und Slammerin Verena Dzialas. Wer Körper und Geist trainiert, ist besser gewappnet gegen Demenz und Parkinson. Wie das genau funktioniert, erklärt sie im Gespräch.

Du forschst zu Neurodegenerativen Krankheiten. Hol uns mal kurz ins Boot: Welche Krankheiten sind das und wie viele Menschen sind davon betroffen?

Neurodegenerativ bedeutet, dass im Gehirn Nervenzellen absterben. Je nachdem in welchem Teil des Gehirns dies geschieht, entstehen verschiedene Krankheiten mit unterschiedlichen Symptomen. Am weitesten verbreitet ist Alzheimer, in Deutschland sind etwa 1,6 Millionen Menschen betroffen. Bei ihnen sterben die Neuronen im Bereich des Kurzzeitgedächtnisses, sie können also schlecht neue Erinnerungen bilden und sind häufig desorientiert. Bei Parkinson sind Hirnregionen betroffen, die unsere Bewegung steuern. Typisch sind hier das unkontrollierte Zittern, Steifheit der Muskeln und Probleme bei der Bewegungsausführung. An Parkinson leiden etwa 400.000 Menschen. Dazu kommen noch weitere Demenzerkrankungen, Multiple Sklerose und seltenere Erkrankungen wie Huntigton oder ALS – letztere wurde vor ein paar Jahren durch die Ice-Bucket-Challenge bekannt.

Können diese Krankheiten jeden treffen? 

Huntington ist eine Erbkrankheit und wird somit von den Eltern an die Kinder weitergegeben. Alzheimer ist eigentlich keine Erbkrankheit, aber es gibt seltene familiäre Häufungen, bedingt durch genetische Risikofaktoren. In diesen Fällen erkranken Patient:innen bereits in sehr jungen Jahren, mit schnell voranschreitendem Krankheitsverlauf. Aber in den meisten Fällen treten neurodegenerative Krankheiten sporadisch, also schicksalhaft auf und man weiß nicht genau, warum. Das heißt leider, dass es tatsächlich jeden treffen kann. Das Schlimme an all diesen Krankheiten ist, dass einem entweder der eigene Körper oder der Geist entgleitet, was ein furchtbares Gefühl sein muss. Für mich ist es daher eine große Motivation diese Krankheiten zu erforschen, um Betroffenen eine bessere Lebensqualität zu ermöglichen oder im besten Fall zu verhindern, dass es überhaupt so weit kommt. 

An Therapien wird seit langem intensiv geforscht. Warum gibt es bisher keine wirksamen Methoden, um Alzheimer oder Parkinson zu bekämpfen?

Das fragt mich meine 90-jährige Nachbarin auch manchmal: „Ihr forscht so viel, ich müsst doch langsam mal ein Mittel gefunden haben!“ Ich erkläre ihr dann, wie wenig wir eigentlich über unser Gehirn wissen. Wahrscheinlich kennen wir uns besser mit dem Universum aus, als mit unserem eigenen Kopf. Wir haben fast 100 Milliarden Nervenzellen im Gehirn und jede einzelne kann zehntausend Verknüpfungen mit anderen Nervenzellen eingehen. Das ergibt einen unfassbar komplizierten Synapsensalat. Hinzu kommt, dass wir nicht einfach ins Gehirn hineinschauen können, sondern versuchen müssen, ihm von außen bei der Arbeit zuzusehen. Zu diesem Zweck wurden in den vergangenen Jahren bildgebende Verfahren, wie zum Beispiel das MRT, weiterentwickelt. 

Es gibt also kaum Fortschritte?

Doch natürlich, aber die hatten bisher keinen durchschlagenden Erfolg. Vor ungefähr 20 Jahren gab es die Hoffnung, Alzheimer bald heilen zu können. Damals setzte die Forschung auf die Strategie, gegen sogenannte Plaques vorzugehen. Plaques sind unlösliche Eiweißablagerungen in den Nervenzellen von Erkrankten. Man dachte, wenn man diese Plaques entfernen oder verhindern könnte, dass sie sich bilden, wäre das Problem gelöst. Leider ist es aber nicht so einfach. Bei der Entstehung der Krankheiten spielen offenbar noch viel mehr Faktoren eine Rolle. Heute wissen wir, dass wir mit unserer Forschung viel früher ansetzen müssen. 

Was heißt das?

Es wird vermutet, dass im Körper viele verschiedene Prozesse ablaufen, die am Ende dazu führen, dass Nervenzellen absterben. Bei Parkinson beginnen diese Prozesse wahrscheinlich schon 20 Jahre vor dem Zeitpunkt, ab dem man überhaupt eine Diagnose stellen kann. Die Forschung ist daher besonders interessiert, Personen zu identifizieren und zu untersuchen, bei denen ein erhöhtes Risiko für Parkinson besteht. Diese Früherkennung der Erkrankung könnte ein Schlüssel dafür sein, schädliche Prozesse zu verlangsamen bzw. zu stoppen und dadurch den Schaden zu begrenzen. 

Dein Slam-Beitrag enthält eine gute Nachricht: es ist möglich vorzusorgen und sein Gehirn ein Stück weit vor den Folgen neurodegenerativer Krankheiten zu schützen. Wie kamst du zu dieser Erkenntnis?

Wenn man Alzheimer- oder Parkinson-Patient:innen vergleicht, kann man große Unterschiede in der Lebensqualität feststellen. Selbst wenn die Krankheit gleich weit fortgeschritten ist, also in etwa die gleiche Anzahl an Nervenzellen abgestorben ist, geht es manchen Menschen deutlich besser als anderen. In der Forschung sprechen wir davon, dass diese Menschen eine größere Reserve haben. Im Fall von Alzheimer eine größere kognitive, also Denkleistungs-Reserve. Im Fall von Parkinson eine Motor- also Bewegungsreserve – und die macht einen gewaltigen Unterschied. Nach unseren Untersuchungen leiden Parkinson-Patient:innen mit hoher Motor-Reserve bis zu zehn Jahre lang unter weniger Symptomen. Sie zeigen weniger motorische Einschränkungen und können ihren Körper besser kontrollieren als Menschen ohne Reserve.

Wie kann man diese Reserve aufbauen?

Für die Denkleitungs-Reserve zählt vor allem Bildung, für die Motor-Reserve Bewegung. Wer Kopf und Körper regelmäßig trainiert, bei dem bilden sich in den betreffenden Hirnregionen  zwischen den Nervenzellen neue Verknüpfungen. Die Reserve ist also wörtlich zu nehmen: wer viele Verknüpfungen hat, kann den Verlust einiger Zellen besser ausgleichen. Das ist ein bisschen so, wie im Straßenverkehr: Wenn es mehr Wege und Umleitungen gibt, können Staus oder Vollsperrungen besser umfahren werden. Ein weiterer wichtiger Faktor ist Schlaf, denn in der Tiefschlafphase reinigt sich das Gehirn und befreit sich zum Beispiel von den erwähnten Einweiß-Ablagerungen. Parkinson-Patient:innen berichten oft schon Jahrzehnte vor der Diagnose unter Schlafstörungen gelitten zu haben. Wahrscheinlich hängt das alles zusammen: Wer körperlich und geistig aktiv ist, schläft ja meistens auch besser.  

Sorgst du selbst auch vor?

Ich habe schon immer gerne Sport gemacht, aber jetzt achte ich tatsächlich bewusst darauf, jeden Tag eine Stunde aktiv zu sein und möglichst vielseitig zu trainieren. Ich fahre viel Fahrrad und mache Körpergewichtsübungen. Ausreichend zu schlafen fällt mir oft schwer, aber ich achte darauf, abends nicht mehr auf Bildschirme zu gucken und stattdessen lieber noch etwas zu lesen oder ein Hörbuch zu hören. 

Hast du noch mehr Tipps, was unsere Leser:innen ganz konkret in ihrem Alltag machen können, um ihr Gehirn fürs Alter fit zu halten?

Es ist wichtig öfter mal die eigene Komfortzone zu verlassen und sich neuen Herausforderungen zu stellen. Das Gehirn braucht Arbeit! Das können Kleinigkeiten sein. Als ich noch zu Hause wohnte, hat meine Mama mir manchmal stolz erzählt, dass sie das Bad heute anders herum geputzt hat, um ihren Kopf fit zu halten. Das fand ich damals echt bescheuert und habe darüber gelacht. Aber jetzt habe ich es selber mal ausprobiert und muss ihr Recht geben – es strengt an, den gewohnten Trott zu durchbrechen. Und meine 90-jährige Nachbarin ist bestimmt auch deshalb noch so fit, weil sie nie aufgehört hat, aktiv zu sein. Sie hat einen Familienbetrieb mit aufgebaut und übernimmt dort immer noch Aufgaben. Außerdem kocht sie für ihre Familie, kümmert sich um den Garten und verbringt viel Zeit mit ihren Enkelkindern. Ich glaube das ist genau die Art von täglicher Herausforderung, die einen im Alter gesund hält. 

Vielen Dank für den spannenden Austausch.

Noch ein Hinweis von Verena:

Für unsere Forschung untersuchen wir Patient:innen im Vorstadium oder klinischen Stadium der Parkinson Erkrankung und gesunde Personen und freuen uns immer über motivierte Teilnehmer:innen. Bei Interesse melden Sie sich gerne unter

 

Wenn du Verena nun im Rahmen der Science Slam Tour CARE & SHARE live erleben möchtest, dann sei am 17. August Mainz live dabei. Tickets gibt’s hier auf der Website und an allen bekannten Vorverkaufsstellen, solange der Vorrat reicht.

 


 

Du hast jetzt so richtig Lust bekommen sportlich aktiv zu werden? Dann haben wir genau das Richtige für dich. 

Herzlich Willkommen zum Social Health Dating!

Am 20. August (Samstag) dürfen sich alle, die Lust auf Sport und nette Leute haben, auf das „Social Health Dating“ im Mainzer Volkspark freuen. Auf dich warten verschiedene Kurse wie Yoga, Ausdauer-Zirkel-Training und Meditation. Wo du dabei sein möchtest, entscheidest du. Mit den Trainerinnen des „Kraftladens“ und des Yogastudios „Im Freiraum“ kannst du deine Liebe zum Sport entdecken oder einfach deinen Lieblingssport treiben, um Körper, Geist und Seele zu stärken. Hierzu laden wir dich gemeinsam mit unserem Gesundheitspartner Die Techniker Krankenkasse ein.

Die Teilnahme ist kostenlos und alle Kurse sind für Anfänger und Fortgeschrittene geeignet.

Melde dich jetzt kostenlos per PN über unsere Social-Media-Kanäle oder per E-Mail an mit deinem Vor- & Nachnamen und deiner Mailadresse an. Schreib’ bitte dazu, ob du alleine oder mit Freunden und bei welchem Kurs (& Uhrzeit) du gerne dabei sein möchtest. Die genauen Zeiten findest du hier unten.

Du hast Fragen zur Aktion? Dann trau dich und schreib uns einfach eine Nachricht. 

Ort: 

Volkspark Mainz, Treffpunkt Eingang Volkspark (bei Café Vivo), nähere Infos erhältst du nach deiner Anmeldung.

Was du brauchst:

Gute Laune, lockere Kleidung, für den Yogakurs bring bitte entweder eine Yogamatte oder ein großes Handtuch mit. Pack dir außerdem sicherheitshalber ausreichend zu trinken ein. Für den Rest sorgen wir.

Zeiten

8 Uhr: Yoga (Im Freiraum)
9 Uhr: Ausdauer-Zirkel-Training (Kraftladen Mainz)
10 Uhr: Yoga (Im Freiraum)
11 Uhr: Ausdauer-Zirkel-Training (Kraftladen Mainz)
12 Uhr: Meditation (Im Freiraum)
12:30 Uhr Ende

Kursbeschreibung

WOD UP – Workout Of The Day mit Nora & Lea  ist der perfekte Einstieg in den Kraftausdauerbereich. Die sich ergänzenden Bewegungsformen sind schnell zu lernen und geben einen schönen Einblick in die komplexeren Bereiche des Kraftsports. Gearbeitet wird primär mit dem eigenen Körpergewicht, Kugel- und Langhanteln, Slings und Bällen. Gewichte und Wiederholungen sind an das jeweilige Trainingslevel anpassbar.

Yoga für alle mit Siriana: Den Körper spüren – voller Achtsamkeit und Akzeptanz. Freu dich auf eine einführende Yogastunde, in der du erleben darfst, wie Yoga auf allen Ebenen wirken kann. Du brauchst nur dich – deinen Körper und deine Atmung – und eine gute Unterlage.

All levels welcome!

Im Freiraum

Siriana ist die Leiterin des Yogastudios Im Freiraum in der Mainzer Neustadt. Seit 2007 praktiziert Siriana Yoga und seitdem ist Yoga für sie ein fester Lebensbestandteil zum Entschleunigen, Erden und um zur Ruhe zu kommen – was manchmal mit der Leitung des Studios und ihrem fast zweijährigen Sohn zu kurz kommt. Wenn sie es aber auf die Matte schafft, dann ist es umso schöner. Im Januar 2019 hat Siriana ihre 2-jährige Yoga-Lehrerinnenausbildung bei Yoga Vidya e.V. abgeschlossen, zuvor eine Ausbildung zum Thai Yoga Practitioner absolviert und zusätzlich mehrere Weiterbildungen für Pre- & Postnatales Yoga abgeschlossen. Siriana begeistert immer wieder, wie vielseitig Yoga ist und wie es auf so unterschiedlichen Ebenen wirken kann und genau das wird sie dir am 20. August vermitteln.

Kraftladen Mainz

Der Kraftladen ist aus „La Garage“, einer Garage in der Mainzer Boppstraße entstanden. Damals wünschten sich Johannes, Lucas und Oli einen Ort, an dem Freunde miteinander trainieren, denn auf ein klassisches Fitnessstudio hatten sie keine Lust. Das Ganze nahm seinen Lauf. Viele tolle neue Leute kamen dazu, darum findet ihr den Kraftladen jetzt in der Wallaustraße 78, mit noch mehr Platz und noch mehr tollen Angeboten. Die Gründer des Kraftladens heißen zwar Johannes, Lucas und Oli, aber eigentlich gehört der Kraftladen allen, die mitmachen, also vielleicht bald auch euch. Ihr Motto ist: Man kann viel reden, am wichtigsten ist es aber, erstmal zu starten! Komm unverbindlich vorbei und teste den Kraftladen aus.

Science Slam Tour – CARE & SHARE

Unterhaltsame Wissenschaft trifft auf soziales Engagement für eine gesunde Zukunft

Das Social Health Dating findet im Rahmen der Science Slam Tour CARE & SHARE statt, denn seit Mai heißt es endlich wieder Vorhang auf und Bühne frei für Wissenschaft, die rockt. In acht deutschen Städten darf sich das Publikum auf feinste Unterhaltung aus Wissenschaft und Praxis freuen. Wenn Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler sowie Macherinnen und Macher von Social Start-ups die große Slam-Bühne betreten, um mit ihrer Forschung und ihren Visionen die Gunst des Publikums zu erobern, dann dürfen alle gespannt sein. Thematisch wird dem Publikum einiges geboten, denn die Slammenden präsentieren das Neueste aus den Bereichen Familie, Digitalisierung, Gemeinschaft, Ernährung, Arbeit und Sport und laden alle nach ihren Vorträgen zum direkten Austausch vor Ort ein.

Die Techniker Krankenkasse fördert die deutschlandweite Science Slam Tour CARE & SHARE und das Social Health Dating als Gesundheitspartner. Mit über 10 Millionen Versicherten ist die Techniker Krankenkasse Deutschlands größte gesetzliche Krankenversicherung. Durch soziales und ökologisches Handeln will die Techniker zu einer gesunden Lebenswelt beitragen.

:: www.tk.de/science-slam
:: tk.de/nachhaltigkeit

Alle Infos zur CARE & SHARE Tour, Tipps, Interviews und inspirierende Gedanken findest du unter: www.science-slam.com/care-and-share 

09.05.2022 Dortmund – FZW

14.05.2022 Mitmachaktion Gemeinschaftsgarten Dortmund

11.05.2022 Stuttgart – Theaterhaus

24.05.2022 Leipzig – WERK2

04.06.2022 Wiesbaden – Schlachthof

17.06.2022 Berlin – Heimathafen Neukölln

23.06.2022 Hamburg – Gruenspan

24.06.2022 Kleidersortierparty Hamburg

17.08.2022 Mainz – KUZ

20.08.2022 Social Health Dating Mainz -> kostenlose Anmeldung unter

06.10.2022 Münchner Kammerspiele

 

 

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